Tag 3 in Bologna aus Sicht der Orchesterleiterin

Wenn ich die fast unmögliche Aufgabe hätte, aus vier wunderbaren Bologna-Tagen den schönsten auszuwählen, meine Wahl würde sicherlich auf den dritten Tag fallen. Er begann mit einer Stadtführung, der die Kinder (zumindest am Anfang) mit großer Aufmerksamkeit folgten. Es gab so viel zu sehen und zu fotografieren, dass wir immer wieder aufpassen mussten, die Fotografen unter uns nicht zu verlieren. Anschließend durften die Kinder in kleinen Gruppen auf eigene Faust die Stadt erkunden. Nachmittags trafen alle Gruppen müde, glücklich, stolz und voller neuer Eindrücke auf dem Piazza Maggiore ein.

Nun war Teamarbeit gefragt: Das in seine Einzelteile zerlegte und gut verpackte Schlagzeug musste per Hand vom Piazza Maggiore bis ins Goethe-Zentrum transportiert werden, wo unser nächstes Konzert stattfinden sollte. Zwanzig Minuten und viele Schweißperlen später kamen wir dort an und erledigten den Aufbau. Es folgte ein wunderschönes Konzert, wahrscheinlich das schönste, das ich als Orchesterleiterin bisher erlebt habe. Mein Blick traf auf so viele glückliche, strahlende, von der Kraft der Musik bewegte Kinderaugen, dass ich mir sicher bin, dass es auch für die Kinder ein außergewöhnliches Erlebnis war. Natürlich hat sich unsere Begeisterung auch auf das Publikum übertragen.

Nach einer fröhlichen Feier mit gutem Essen, Tanz und spontaner Live-Musik mit einigen Kindern und einem Opernsänger aus dem Publikum wurden die Kinder von ihren Gastfamilien abgeholt und wir machten uns mit den zehn Hostel-Kindern auf den Rückweg. Bei einem Zwischenstopp an einer Eisdiele kamen die Kinder plötzlich auf die Idee, Straßenmusik zu machen. Zufälligerweise war die Besetzung der einzelnen Stimmen absolut ausgewogen und so setzten die Kinder sich unter eine der vielen Arkaden und begannen zu spielen. Sofort kamen die Leute aus allen Richtungen und lauschten dem spontanen Konzert. Ich stand an der Seite und konnte beobachten, wie jeder Einzelne über sich hinaus wuchs, denn ohne Dirigentin und die anderen Orchestermitglieder zu spielen, ist alles Andere als einfach! Wie von selbst ergab es sich, wer das Tempo vorgibt, die Einsätze gibt oder spontan ein Solo übernimmt. Zwei Mädels wurden sogar zu Gesangssolisten, die mit wunderschöner, klarer Stimme vor geschätzt sechzig Zuschauern sangen, als hätten sie noch nie etwas Anderes getan. Spät abends machten sich zehn stolze und glückliche Kinder mit drei mindestens genauso stolzen und glücklichen Erwachsenen und ziemlich viel Geld auf den Heimweg. Zitat von Lorenz: “So viel Spaß hat mir Cello spielen noch nie gemacht!”