Der Weg nach New Orleans

11.07.2009: Am heutigen Tag hieß es Abschied nehmen von den Gastfamilien und der Stadt Houston. Das in 348 Meilen Entfernung liegende Ziel sollte erreicht werden: New Orleans in Louisiana. Auf dem Weg konnte Geschichte erlebt werden, denn es war ein Halt an der “Oak Alley Plantation” vorgesehen, die sich zwischen den Städten Baton Rouge und New Orleans befindet.

Die Geschichte einer Plantage

Da die Webseite der Oak-Alley-Plantage auf Englisch ist, hier einige kurze Informationen. Namensgeber der Plantage ist die im 17. Jahrhundert von einem französischen Architekten angelegte Eichenallee bestehend aus 28 Eichen, die noch weitere 300 Jahre Lebenserwartung vor sich haben. Diese riesigen Bäume sind ein hervorragender Schattenspender und majestätisch anzusehen. Die Plantage ist nach ihrem finanziellen Ruin, hervorgerufen durch die Abschaffung der Sklaverei im Ergebnis des amerikanischen Bürgerkriegs, viele Jahrzehnte als Wohnhaus und Ansitz reicher Familien genutzt worden. Erst nach dem Tod der letzten Besitzer, den Stewards, wurde das Gelände in ein Freilandmuseum umgewandelt. Noch immer wird rund herum Zuckerrohr angebaut, aus dem unter anderem Rum gebrannt wird, doch in der herrschaftlichen Wohnanlage selbst sieht man jetzt Damen in historischen Reifrockkostümen Touristen führen.

On the road

Nach der Besichtigung ging es weiter in Richtung New Orleans. Auch wenn Busfahrten oft etwas Eintöniges und Anstrengendes an sich haben, ist es besonders hier eine Gelegenheit eine der typischen Lebensformen der Amerikaner zu erleben: ON THE ROAD. Das Auto ist neben den eigenen “Vier Wänden” der räumliche Lebensmittelpunkt vieler Amerikaner. Große inner- und außerstädtische Entfernungen, nicht zuletzt bedingt durch den Wohnstil – nahezu jeder Amerikaner wohnt in einem eigenen Haus mit Grundstück – machen das Auto zu einem absolut unverzichtbaren Transportmittel. Viele Amerikaner machen besonders im Alter aus dieser Not eine Tugend, und nutzen das ausgedehnte und hervorragend konzipierte Straßensystem für Reisen mit Wohnwagen oder Wohnmobilen, denen wir besonders auf den langen Strecken zwischen den Bundesstaaten ständig begegnen.

Besonders in den dünner besiedelten Gebieten spielt sich das gesamte gesellschaftliche Leben an diesen Hauptrouten, den Schlagadern Amerikas ab. Während wir in Deutschland alle 100 Kilometer eine Raststätte mit einem oder zwei Restaurants finden, wird der USA-Reisende nahezu alle 20 Meilen in Versuchung gebracht, in einem der unzähligen Restaurants Rast zu suchen. Kulinarisch ist das immer ein Erlebnis: Ob fetttriefige Hamburger, Knusperpanade mit etwas Hühnchen darin oder meisterlich gegrillte Rindersteaks mit gebackener Kartoffel und Maiskolben – an Auswahl mangelt es nie, finden sich doch die Küchen nahezu aller großen Nationen hier direkt am Highway. Und so haben auch wir bei unseren Pausen die Qual der Wahl.

Cajun Musik zum Bergfest

Nach der Ankunft in New Orleans gab es ein gemeinsames Abendessen im Cajun Music Restaurant, wo die Cajun Musik gepflegt wird und erlebt werden kann. Es handelt sich dabei um eine traditionelle Musikrichtung dieser Region. Im Grunde war dies der erste wirkliche gesellige Abend, der ausgelassen und vor allem gemeinsam erlebt wurde. Nach dem Checkin im Mariot Hotel, in unmittelbarer Nähe des Flughafens, fuhren wir in die Innenstadt. Noch immer sind die Auswirkungen des Hurikans Kathrina zu sehen; schräge Laternenpfähle, geflickte Dächer und hier und dort beschädigte Fassaden und Straßen. Doch das sieht man nur, wenn man genauer hinschaut. Die Stadt präsentiert sich sonst als eine gemütliche Südstaatenmetropole mit vielen individuellen Cafes und Restaurants, vor denen die New Orleanser gerne Schlange stehen um einen guten Platz zu ergattern.

Außerdem war dieser Abend das Bergfest unserer Reise und somit gab es genügend Anlass für Ausgelassenheit und Partylaune. Als geschlossene Gesellschaft genossen wir nicht nur die Cajun-Traditionen auf kulinarische Weise, sondern durften nach professioneller Anleitung und zu Livemusik selbst traditionelle Tänze ausprobieren. Als dann auch noch die Cajun-Band die Bühne für unsere “Jungs” räumte und Ali, Aaron, Felix und Karl ein paar groovige Songs improvisierten, “krachte” der Tanzboden.

Am Sonntag, 12.07. steht dann die zweite Aufführung von Mendelssohns Elias in New Orleans an.

Text und Fotos von Markus R. Wiese