Kfir und die Hauptstadt der Religionen

Mit nur drei Stunden Schlaf ist der gemeine JSO´ler nicht ganz ausreichend mit Ruhe versorgt. Trotzdem stehen wir alle auf und sind pünktlich und vollzählig beim Frühstück. Vorfreude findet sich in den Gesichtern wieder und auch ein bisschen die Spannung vor dem Unbekannten. Gestern Nacht wurden wir von Kfir unserem Reiseleiter vor Ort am Flughafen empfangen und zum Hotel chauffiert. Kfir ist eigentlich Bayer und outet sich in der ersten Sekunde als Bayern München Fan. Dann erzählt er noch, dass er zusammen mit Karl Heinz Rumenigge bei der Armee war und begann dann mit einem kurzen, nächtlichen Sightseeing-Programm. Als wir unser Hotel, das Jerusalem Gate, in Jerusalem erreichten ging die Sonne bereits wieder auf.

Dann folgten die besagten drei Stunden Schlaf.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg Jerusalem kennen zu lernen. Mit den Bussen geht es los in Richtung Ölberg. Kfir erzählt uns die Geschichte hinter der Brücke, welche direkt vor unserem Hotel liegt und bei Tag wie ein Eierschneider und nachts wie eine Harfe aussieht (O-Ton Kfir).
Wir fahren weiter Richtung Altstadt und erfahren eine ganze Menge über die Geschichte Jerusalems, über dessen Teilung, die verschiedenen Viertel, über die Stätten der verschiedenen Religionen. Als der Bus hält finden wir uns auf dem Ölberg wieder, von dessen Spitze man eine atemberaubende Aussicht auf die Altstadt hat. Wenn man so auf die unzähligen Gotteshäuser, Straßen, Geräusche und Farben achtet, versinkt man binnen weniger Sekunden so in Gedanken, dass man fast vergisst, das Kfir was erzählen möchte. Und er hat viel zu erzählen. Es ist beeindruckend mit welcher Sicherheit er den endlos wirkenden Kirchen, Moscheen und Synagogen ihre Namen zuordnen kann. Wir stehen da und staunen. Alleine drei Himmelfahrtskirchen stehen auf der Spitze des Ölberges und unzählige mehr säumen seine Hänge. Wir liefen den Palmsonntagsweg hinunter und machten auf einem jüdischen Friedhof halt. Kfir erzählt uns, dass die Gräber auf diesem Friedhof ein kleines Vermögen kosten. „Aber ein kleines Vermögen für die Ewigkeit ist immer noch weniger als bei euch.“, scherzt er. Dann setzen wir unseren Weg fort. Laufen den stellenweise sehr glatten Weg, den Berg hinunter und stehen auf einmal mitten im Garten Gethsemane unter Olivenbäumen. Wir wandeln durch den schönen Garten und müssen plötzlich bremsen, weil die Spitze der Gruppe gebremst hat. Was da vor uns steht nennt man nur unheilvoll die Todesangst-Basilika erklärt uns Kfir. Wenn man diese Kirche betritt, so wird einem tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Die mit Alabaster überzogenen Fenster lassen nur sehr wenig Licht herein und so ist es in der Kirche fast dunkel. So dunkel, das die Sonne uns in den Augen sticht als wir uns wieder auf den Weg zu unseren Bussen begeben. Diese bringen uns an den Rand der Altstadt. Von dort beginnen wir zu Fuß unseren Weg fortzusetzen. Unser Ziel ist die Erlöserkirche, in der wir heute Proben wollen. Doch bevor wir unser Zeil erreichen, werden wir, vorbei an unzähligen kleinen Läden, in eine Seitengasse geführt, in der sich jeder noch einmal stärken kann. Die Wahl der meisten fällt auf Eis oder Falafel. Mit gefülltem Magen kommen wir dann in der Erlöserkirche an und bereiten uns für die Probe vor. Schuberts „Salve-Regina“, Mozarts „Kirchensonate“ und Haydns „Sinfonie 104“ stehen auf dem Plan. Vor Allem am Ende der Probe merkt man die schwindenden Kräfte der Musiker. Doch trotzdem macht das musizieren wie immer unheimlichen Spaß. Mit dem Ende der Probe ist auch unser Aufenthalt in der Altstadt beendet und wir werden zurück zu unserem Hotel gefahren. Der Speisesaal ist voll. Pünktlich zum Ende des Sabbats, der in den letzen 24 Stunden war, wird eine jüdische Hochzeit gefeiert. Somit haben wir zu einem hervorragenden Essen, ein kostenloses musikalisches Programm, mit einem unbezahlbaren gewonnen Eindruck.
Bei einem Blick aus dem Fenster fällt auf, dass bereits 20.30 Uhr die Sonne dem Untergang begriffen ist und so zieht es viele raus auf den Balkon, welcher an den Speisesaal angrenzt. Von dort blickt man auf den Horizont und die darunter liegende Stadt. Es bietet sich ein Anblick, gegen den ein europäischer Sonnenuntergang wie eine veraltete Version eines Computerspieles wirkt.
Was dort am Himmel zu sehen ist, ist nicht etwa ein roter Schimmer, sondern ein Gemisch aus verschiedenen grün, und gelb Tönen, dazu gesellen sich Ocker, Sandfarben und zartes Rosa, abgerundet wird alles von einer einmaligen Atmosphäre die hungrig auf die nächsten Tage und auf dieses Land machen.

Text: Jan Jarick