Bei manchen Völkern wird der Reichtum eines Menschen daran bemessen, wieviele Lieder er im Herzen trägt

Der Tag beginnt zunächst normal. Aufstehen, frühstücken, gemeinsam in den Tag starten. Während des Frühstücks wird uns mitgeteilt, was heute geplant ist. Wir sollen uns beeilen mit dem Aufessen, denn es kommt ein israelischer Mädchenchor und wenn dieser eintrifft, soll der Probenraum fertig eingerichtet sein. Der Chor gilt als einer der bekanntesten Jugendchöre in Israel. Bei dieser Aussage, wird nun auch der letzte JSO´ler neugierig auf das, was da gleich kommen wird.

Wir machen uns also daran den kleinen Saal, der uns zur Verfügung steht, einzurichten und eine Orchesterbestuhlung aufzubauen. Und dann treffen sie ein. Die rund 25 Mädchen des Ankor Youth Choir of the Jerusalem Academy of Music and Dance betreten erst noch etwas schüchtern den Raum. Es wird sich beäugt. Hier und dort fällt schüchtern ein Kichern. Dann nehmen alle Platz. Der gemeinsame Tag beginnt mit Musik. Es spielen zwei Streicherensembles des JSO. Den Auftakt machen Bobby und Diana als Streicherduo, dann folgen Helene, Hannah, Johanna und Konstanze mit ihrem Streichquartett. Die Stimmung lockert sich nun fast im Sekundentakt. Dann kommt es zu dem Auftritt auf den wir so gespannt gewartet hatten. Der Ankor Youth Choir stellt sich auf und ihre Dirigentin Dafna Ben Yohanan stellt den Chor kurz vor. Mit einem niemals enden wollenden Lächeln und Augen, die vor Glanz fast Funken schlagen, erzählt sie über ihre Mädchen, welches Ansehen der Chor hat, wo sie überall waren, wie froh sie ist, dass der heutige Tag stattfinden kann.
Dann wendet sie sich ihrem Chor zu und wir werden Zeugen eines unvergesslichen Klangerlebnisses. Wenn man die Augen schließt droht man zu vergessen, dass es Kinder sind, die da vor einem stehen. Sie singen, als wären sie zu nichts anderem geboren und reissen uns sofort mit. Am Ende des kurzen „Ständchens“ bricht Jubel aus. Nun nimmt unser Dirigent Ron-Dirk Entleutner das Wort an sich und stellt das JSO vor. Im Abschlusssatz lädt er die jungen Damen ein, uns beim Proben zuzuhören. Dann nehmen wir die Instrumente in die Hand und beginnen mit dem ersten Satz aus Dvoraks 9. Sinfonie. Diese war zuletzt in der Kongresshalle erklungen, als unser Orchester 30. Geburtstag feierte. Wir haben sie mit auf diese Reise genommen, die Sinfonie aus der neuen Welt. Passender hätte eine Sinfonie nicht sein können. Denn wir sind hier in einer Welt gelandet, welche eine Historie hat, die weiter zurückreicht als es das Vorstellungsvermögen zulässt. Und doch ist sie neu, überall entdeckt man Dinge die man noch nie gesehen hat, erhält Eindrücke die man nie vergessen wird. Mit diesen Eindrücken gefüttert macht sich das Jugendsinfonieorchester nun daran dieses Werk zu proben und vermischt dabei den eigentlichen amerikanischen Flair des Stückes mit einem Hauch israelischem Lichts. Denn das ist das besondere an diesem Land, meint Kfir. Dabei stört es nicht, dass die sonst so voluminösen Paukenwirbel auf einer Blumenvase improvisiert werden, denn die Pauken bekommen wir erst heute Abend.
Als die Probe vorüber ist, folgt das Mittagessen. Dieses wird zusammen mit den Mädchen des Ankor Choirs eingenommen. Spätestens jetzt sind alle Hemmungen zwischen Chor und Orchester aufgehoben. Es wird ausgetauscht, gelacht und erlebt. Auch jetzt merkt man eindeutig, dass es in Gesellschaft einfach besser ist. Mit gefüllten Mägen verabschieden wir uns in die Mittagspause und bereiten uns langsam auf das bevorstehende Konzert am Abend vor. Dann verlassen wir das Jerusalem Gate Hotel in Richtung Hebrew University. In der dortigen Weis Hall wird unser heutiges Konzert stattfinden. Der Saal in dem wir spielen ist wider Erwarten doch größer, als zuerst angekündigt. Da haben wir schon auf deutlich kleineren Bühnen gespielt.
Wir bauen also auf und dann sehen die Schlagwerker auch das erste Mal ihre Instrumente für den heutigen Abend. Wir starten mit der Probe und müssen schnell feststellen, das wir zwar Schlagwerk haben, dieses jedoch etwas unvollständig ist. Also verlassen unsere Schlagwerker, den etwas reichlich klimatisierten Konzertsaal, in Richtung Musik Universität um die fehlenden Instrumente zu besorgen. Zurück kommen sie mit einem Einkaufswagen voller Krachmachsachen und einem Grinsen im Gesicht. Die Probe verläuft dann ohne weitere Komplikationen. Es folgt das Abendbrot und anschließend haben wir Freizeit. Da wir alle bereits unsere Konzertkleidung im Hotel angezogen haben, müssen wir uns nicht mehr umziehen. Ein etwas ungewohntes Gefühl, aber es gefällt uns. Wir verteilen uns auf dem Campus der Hebrew University und genießen die heute sehr milden Temperaturen. Einige nutzen die Chance um einen verspäteten Mittagsschlaf zu machen. Andere versuchen sich als Dompteur und scheitern an den israelischen Straßenkatzen. Da funktioniert die Idee mit dem Tierfotograf schon besser, auch wenn dafür ein Sandwich verloren geht. Die Natur ist hart.
Dann machen wir uns bereit und nehmen zunächst im Zuschauerraum der Weis Hall platz. Der Ankor Youth Choir macht den Auftakt an diesem Abend, im gut gefüllten Saal. Auch hier geht eine Welle der Begeisterung durch das Publikum, als es diesen selten guten Mädchenchor hört. Nach einer kurzen Umbaupause finden wir uns dann auf der Bühne wieder. Den Anfang bildet Bruchs Loreley Overtüre. Es folgen die Sinfonischen Tänze aus der West Side Story, die Filmmusiken zu Der Gladiator, Narnia und Drachen zähmen leicht gemacht. Der offizielle Abschluss wird mit Standing Ovations gefeiert. Das Publikum jubelt und klatscht und so können wir es uns nicht nehmen lassen, unsere Lieblingszugabe zu spielen und als auch Fluch der Karibik verklungen ist, liegen wir uns wie immer in den Armen. Wir steigen in unsere Busse und fahren Richtung Bett, denn morgen geht es früh los. Wir fahren nach Haifa. Wir freuen uns.