Israel im Herzen

Nach einem Tag Haifa, bedauern wir es schon etwas, wieder weiterfahren zu müssen. Wir machen uns auf den Weg nach Herzliya. Dort werden wir den Rest unserer Reise verbringen. Auf der Hälfte der Strecke machen wir Halt. Vor uns sehen wir ein Aquädukt, welches in der Antike dazu diente, die heutige Villenstadt Caesarea, mit Wasser zu versorgen. Heute ist es die einzige Möglichkeit, am hiesigen Strand etwas Schatten zu finden. Bei herrlichen Wellen stürzen wir uns in die salzigen Fluten und genießen die lauwarme Erfrischung. Danach gilt es, mit möglichst wenig Sand wieder in die Busse zu steigen, dass dies nicht gelingt ist an dieser Stelle allerdings zweitrangig.

Es geht weiter und nach weiteren 45 Minuten Fahrt halten wir an einem unscheinbaren Tor. Es ist der Hintereingang eines Internats, welches hinter uns geschlossen wird, damit wir nicht weglaufen, scherzt Kfir. Uns begrüßt eine Dame, die unseren Dirigenten zu kennen scheint. Atara nennt sie sich und wirkt mit ihrer Art genau so lyrisch wie ihr Name. Wir werden in den Speisesaal des Geländes geführt, wo wir Falafel zum Mittagessen erhalten. Wir stellen zum wiederholten Male fest, dass wir dieses Gericht jeden Tag essen könnten und philosophieren darüber, in welcher israelischen Stadt es wohl am besten schmeckt. Nun werden wir auf unsere Zimmer verteilt. Wir wohnen in zwei Häusern. Das eine, erst letztes Jahr renoviert, punktet mit einem verträumten Innenhof und einem verschachtelten System aus Treppen und Zimmern. Bei dem zweiten Haus steht die Sanierung noch aus und so überzeugt dieses Gebäude mit einem Charme, der einer Baracke gleicht. Dabei fühlt man sich dennoch wohl. In keiner Minute muss das Wohlbefinden hinten anstehen. Als wir uns eingerichtet haben werden wir kurz über das Gelände geführt. Es wird uns erzählt, dass die Eltern der Kinder, die hier leben vor vielen Jahren aus der Sowjetunjon kamen. Deshalb wird hier mitten in Israel russisch gesprochen. Nach der Besichtigung der Anlage, welche ein wenig an unserer Unterkunft in Griechenland erinnert, nutzen wir die zahlreichen Möglichkeiten um uns auszutoben. Wir kühlen uns im Pool ab, spielen Basketball oder Fußball oder suchen im Schatten Ruhe. Als es zum Abendessen geht, haben wir das erste Mal Kontakt zu den hier wohnenden Schülern. Anschließend machen wir uns daran unser Programm für das große Abschlusskonzert zu proben. Wir musizieren, singen, sprechen im Rhythmus, drehen uns im Kreis und haben am Ende ein wohltuend gutes Gefühl.
Der Abend beginnt für die eine Hälfte ruhig. Die andere Hälfte integriert sich in die Party der Schülerschaft und muss sich zugestehen, dass Tanzen bei den herrschenden Temperaturen nicht die beste Idee ist. Alle die nicht tanzen sitzen gemütlich zusammen, tauschen sich über die letzen Tage aus oder man erklärt sich wie man am besten Wickelklöße macht. Zwischendurch macht man Bekanntschaft mit der hier angesiedelten Mückenpopulation.
Was auffällt ist, dass wir eine gewisse Anziehung auf Katzen ausüben müssen. Seit der ersten Begegnung in der Hebrew University mit den tigerhaften Tieren, folgen Sie uns überall hin. Das Dressur-Gen, welches in einigen von uns schlummert, wird somit zur Blüte gebracht und sorgt für den einen oder anderen Niedlichkeitsseufzer.
Wenn die Katzen nicht da sind, genießen wir die Atmosphäre dieses Landes, welches uns mit jeder Stunde mehr verzaubert. Es ist ein Phänomen, wie schnell es, den von uns besuchten Städten gelingt, uns in ihren Bann zu ziehen.
Wir erleben jede Minute etwas Neues und entdecken Dinge die wir nie vermutet hätten.
Auch wenn unsere Reise noch nicht vorbei ist, wissen wir jetzt schon, dass Israel einen Platz in unserem Herzen haben wird. Und dieser Platz ist bewacht von all den Empfindungen, die uns in diesen Tagen bewegen.

Text: Jan Jarick