Ein Basar lebt von vielen bunten Farben (Michael Josef Sommer)

Der Morgen beginnt wie der gestrige Tag. Um acht Uhr ist die Nacht vorbei und wir machen uns auf die Socken, um im Speisesaal zum Morgengericht einzukehren. Von dort aus laufen wir zu den Bussen, welche nun täglich Form und Farbe und Busfahrer ändern. Wir hoffen es liegt nicht an uns.

Wir fahren etwa eine halbe Stunde und halten dann mitten in einer Stadt. Wir sind in Tel Aviv angekommen. Am Anfang unserer Reise waren wir bereits in dieser Stadt, allerdings nur auf dem Flughafen. Doch diesmal ist es nicht mitten in der Nacht. Das Tageslicht zeigt uns ein interessantes Bild. Die Skyline von Tel Aviv welche etwas zerklüftet zwischen den restlichen Häusern liegt, hat einige imposante Bauwerke zu bieten. Jedes Haus ähnelt einem komplizierten System aus Schachteln. Sie bestehen aus einem endlos scheinenden Meer aus Winkeln, Scheiben, Geländern, Balkonen und all das ineinander und umeinander versetzt. Wenn man den Blick über diese Stadt schweifen lässt, fallen einem unterschiedliche Szenarien ein, welche sich hier abspielen könnten. Dabei reichen die Ideen vom nächsten James Bond-Streifen bis hin zu postapokalyptischen Dramen.
An unserem ersten Halt liegt ein kleines Denkmal. Jitzchak Rabin ist dieser Platz gewidmet. Ein Staatsmann, welcher israelischer Ministerpräsident und Verteidigungsminister war. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Frieden zu verbreiten und ihn in und außerhalb Israels zu sichern. Er wurde für seine Ideale am 4. November 1995 ermordet. Es erschreckt uns zu sehen, was einen der Drang zum Frieden kosten kann.
Nach einem kurzen Aufenthalt setzen wir unsere Fahrt fort und fahren zum Basar von Tel Aviv. Dort angekommen, laufen wir einige Meter vorbei an den ersten Ständen und verstehen noch nicht die vorherige Aufregung um die Menschenmassen, denn diese sind bis jetzt ausgeblieben.
Dann biegen wir um eine Ecke und haben das Gefühl, dass es uns erschlägt. Wir stehen in einem sich ewig bewegenden Zug aus Menschen, die auf etwa zwei Metern Breite versuchen, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, oder das beste Schnäppchen zu ergattern. Eine bunte Mischung aus Israelis und Touristen zwängt sich durch die Gassen, in denen alles angeboten wird, was in der menschlichen Vorstellungskraft Platz findet. Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Gewürze, Tee, Kleidung, Schmuck, Brot, Geschirr, Radios, Spielkarten, Postkarten, Bilder und jede Menge Kram, über dessen Verwendungszweck sich in jedem Fall streiten lässt. Wir quetschen uns durch den nicht abreißenden Strom aus Verkäufern und Käufern und sind am Ende erstaunt darüber, wie anstrengend Shopping sein kann. So passiert es, dass einige beim Besteigen der Busse sofort in einen tiefen und festen Schlaf fallen und somit die Ansage des nächsten Haltes verpassen.
Wir kommen in Küstennähe zum stehen und merken bereits beim Aussteigen, dass hier ein ganz besonderer Ort sein muss. Es scheint etwas mystisches an den Wänden der hier stehenden Häuser zu kleben. Wir sind in Jaffa „gestrandet“, der Altstadt Tel Avivs. Die hier gebauten Häuser sind älter als der Rest der Stadt. Sie versprühen einen Charme, der zum Verweilen einlädt.
Nach einem kleinen Snack geht es zurück in unsere Unterkunft.
Dort angelangt machten wir uns nach einer kleinen Pause daran, unser Programm für das morgen anstehende Konzert zu proben. Diesmal üben wir den ersten Satz aus Gröndahls Posaunenkonzert und den zweite Satz aus Dvoraks 9. Sinfonie. Nach dieser vorletzten Probe, vor dem morgigen Abend, fühlen wir uns gut gerüstet dieses Konzert zu bestreiten.
Besonders positiv sticht in den letzten Tagen die Geschwindigkeit hervor, mit der wir unser Repertoire erarbeiten. Die Proben sind sehr konzentriert gearbeitet und machen so unheimlich viel Spaß. Man bemerkt kaum wie die Zeit vergeht und so ist die Probenzeit schneller rum als manche glauben mögen. Wir flanieren erneut zum Speisesaal und nehmen unser Abendbrot zu uns.
Für den restlichen Abend gilt dasselbe wie für den gestrigen. Wir legen ein Tuch des Schweigens über uns und unser Tun. Uns geht es gut und zwar in tausend Momenten und das jeden Tag. Auch das ist der Zauber dieses Landes.

Text: Jan Jarick