Ein Austausch in Addis Abeba / Tag 1

„Punkt 8 Uhr Treff in der Musikschule!“, lautete die Ansage, die uns an diesem regnerischen Morgen mehr oder weniger munter in den Kurt-Masur-Saal bringt. Wir, acht Streicher und zwei Betreuer des JSO, stehen vor einer lang ersehnten Wiederholungstat: der zweiten Reise nach Äthiopien. Mit der überfüllten S-Bahn geht es nach Leipzig/Halle Flughafen. Von dort wird unser erster dreistündiger Flug zu unserem Zwischenstopp Istanbul starten.

Kaum in der Türkei gelandet zeigt sich erste Kreativität bei der Wartezeitüberbrückung: so wird der Geigenkasten zum Pokertisch und die JSOler zu wahren Spielfanatikern – mal auf einem ganz anderen Level. Gleichzeitig stellt sich aber auch schon die bange Frage, wie wir denn nur den neunstündigen Aufenthalt auf der Rückreise überbrücken wollen…

Nach weiteren fünf Stunden in der Luft, erreichten wir um 23:51 Uhr unser Ziel und werden von angenehmen 20°C überrascht. Die bisher problemlos verlaufene Reise erhält ihren ersten Schreckmoment, als der von uns als Geschenk mitgebrachte Geigenkoffer spurlos verschwunden scheint. Wir drehen mehrere Runden um das Kofferlaufband, fragen Personal und Security, geben ihn schon als gestohlen auf, als er nach viel Hin und Her auf unerklärliche Weise unter dem Tresen der Flughafenmitarbeiter auftaucht. Mittlerweile ist es 01:00 Uhr morgens (an dieser Stelle schon mal frohe Ostern! Wir haben unser verstecktes Osterei nach langem Suchen ja wiedergefunden :D) und wir können den Flughafen endlich verlassen.

Ron, der schon für die Absprache des weiteren Weges vorgegangen war, kommt mit der nächsten (allerdings sehr schönen) Osterüberraschung wieder: „They are all here!!“.

Tatsächlich warten alle Mitglieder des äthiopischen Streicherensembles am Flughafen mit großen Blumensträußen und herzlichen Umarmungen für jeden von uns, bemüht uns unser Gepäck abzunehmen und uns schnellstmöglich zu unserem Hotel zu begleiten. Nach einer kurzen, rasanten Fahrt durch das nächtliche Addis Abeba komen wir im „Ebenezer Hotel“ an und staunen nicht schlecht beim Betreten der geräumigen Zimmer mit Riesen-Betten. Durch unsere musikalischen Gastgeber sind bereits Wasser und Äpfel in den Zimmern bereitgestellt, sodass wir rundum versorgt nur noch ins Bett zu fallen brauchen.