Ein Austausch in Addis Abeba / Tag 3

07:45 Uhr: Klopfzeichen an der Tür. Wer kann das wohl sein? Richtig, der allmorgendliche Weckdienst der, zugegebenermaßen noch sehr verschlafenen, JSOler. Mit einem Großraumtaxi geht es eine gute Stunde später auch gleich los in Richtung „Yared Music School“, welche uns für den heutigen Tag als hauptsächliche Spielstätte dienen wird.

Begrüßt werden wir dort mir einem kleinen Konzert eines langjährigen Musiklehrers der Schule, welches uns als Einstimmung auf die kommenden Stunden dienen soll (hilfreich dabei: eine kleine spontane Tanzeinlage einiger unserer StreicherInnen a lá äthiopischer Art). Auf dem Tagesplan stehen: Proben, Proben, Proben. Hierbei werden wir voll ausgelastet: Es geht vom 6/8-Takt über „Krar “ (einem traditionelles Zupfinstrument mit pentatonisch gestimmten Saiten) zu „Ambassel“ (einem äthiopischen Tonsystem).

Doch bevor wir selber „Hand anlegen“ dürfen, werden wir zu einer der berühmten Kaffeezeremonien eingeladen. Im Kreis sitzend genießen wir den starken Geruch der frisch zubereiteten Kaffeebohnen, lesen einen deutschen Zeitungsbericht über unseren äthiopischen Lehrer (von 1993!!) und sind fast peinlich berührt von der großen Willkommens-Schoko-Torte, die für uns gebracht wird. Nun geht es an die Instrumentenwahl. Selbst der Dirigent wird plötzlich zum Schüler, als wir in die Welt der äthiopischen Instrumente, Rhythmen und Tonalitäten eingeführt werden. Den Höhepunkt bildet das letztendlich gemeinsame Musizieren eines bekannten äthiopischen Stückes.

Nach dem Mittagessen in „Parish Hall“, geht es mit den uns bekannten Instrumenten und Werken weiter. Wir proben für das gemeinsame Konzert am Freitag. Hierbei muss jeder JSOler seine sprachlichen und pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. In Pultpartnerproben (Okkasionalismus lässt herzlich grüßen ;D) werden die schwersten Stellen besprochen, Fingersätze und Striche geklärt und gemeinsam viel gelacht. Trotz einiger Schwierigkeiten kommen wir gut voran und freuen uns schon auf die nächsten Probenstunden.

Aber damit noch nicht genug – das gemütliche Abendessen wird von den Worten: „In 7 Minuten ist Probe!“ („…aber dann müssten wir ja jetzt schon lange am Platz sitzen…!“) schnell beendet und die Leipziger kämpfen sich die letzten Minuten durch Holst, Warlock & Co.

Aufgrund der allgemeinen Müdigkeit entscheidet sich der Großteil gegen die abendliche Wanderung durch die unbeleuchteten, immer noch stark befahrenen Straßen Addis Abebas und läßt nur eine kleine Gruppe unermüdlicher Nachtaktivisten zurück, die ebenfalls sicher den Weg zum Hotel finden.