Ein Austausch in Addis Abeba / Tag 5

Was für ein Tag! Er beginnt ganz friedlich um 06.30 Uhr mit dem Frühstück in Konzertkleidung, denn unser erstes Konzert als Teil der Leipziger Delegation wartet. Zusammen mit unseren Gastschwestern und -brüdern eröffnen wir die Festlichkeiten zur Einweihung der Leipzig Straßenbahn in Addis Abeba. Ein großes Event in einem weißen Zelt unter der prallen Sonne mit Blaskapelle, Festrednern und überschwänglichem Zeremonienmeister.

Dazu sollte gesagt sein, dass mit der Städtepartnerschaft nicht nur der musikalische Austausch gelebt wird, sondern auch an anderen Projekten, wie eben dem Verkehrsnetz, oder dem Artenschutz zusammen gearbeitet wird. Seit dem ersten Konzert des heutigen Tages fungieren wir nun also offiziell als Vertreter unserer Stadt, sowie des gelebten Austausches. Da spielen wir doch auch gerne spontan die deutsche Nationalhymne mehrstimmig.

Es folgt die nächste offizielle Amtshandlung, als Salonmusiker in der fahrenden Straßenbahn. Ein wahrlich (hoffentlich) einmaliges Erlebnis! Wir arrangieren uns mit wenig Platz, stockender Fahrtgeschwindigkeit und stetigen Ansagen zu den jeweiligen Haltestellen. Dennoch ist es sehr amüsant und diese Fahrt werden wir bestimmt nicht so schnell vergessen! Nachdem wir also auf diese Weise einmal Addis durchquert haben, geht es weiter zum Hilton Hotel, in dem uns ein sehr üppiges und schmackhaftes Buffet erwartet. Der uns gebotene Kontrast der Außen- und Innenwelt erscheint manchmal doch sehr unwirklich…

Einer herzlichen Einladung der deutschen Delegation folgend, fahren wir daraufhin durch den äthiopischen Verkehrsdschungel zur deutschen Botschaft. Nach einer Anspielprobe können wir den paradiesischen Garten samt Schildkröten bei Kaffee, Karten und Kuchen genießen. Und ehe man sich versieht kommen auch schon die ersten Gäste und es wird Zeit für unser Konzert.

Der Abend wird eingeleitet durch einige Worte des deutschen Botschafters Joachim Schmidt. Danach beginnen wir mit dem ersten Teil des Konzertes. Vorgetragen werden Werke von Warlock, Bach, Reger und Holst. Das Publikum lauscht gespannt. Mit dem zweiten Teil, in welchem wir als deutsch-äthiopisches Kammerorchester erklingen, lockert die Stimmung bei Werken wie „Plink, Plank, Plunk“ und „Funky Monkey and Friends“ auf. Der Funke der Musik scheint auf das Publikum überzuspringen und der Saal lebt bei stehenden Ovationen auf. Für uns ist der Abend gelungen und glücklich fallen wir uns nach der Zugabe in die Arme. Ausklingen lassen wir die Nacht bei Weißwein und Spätzle, bis es Zeit wird nach Hause zu fahren.

Wieder einmal ist es sehr spät geworden, aber es war ein unglaublicher Tag und wir freuen uns auf die nächsten Ereignisse hier in Addis.