Gewitter, Regen, Sonnenschein

Sonntag, 25.06.2017

Die erste Nacht in Budapest hätte von durchgängigem Schlaf gezeichnet sein können, wenn nicht ein Sommergewitter mit Donner, so laut wie die Pauke bei Wagner, die Nacht gestört hätte. Trotzdem waren alle frisch und erholt am Konservatorium, um unseren ersten Tag in Ungarn zu beginnen.
Mit dem Bus fahren wir also nach Szentendre, dem Ort mit dem besten Langos, wenn man den weitergeleiteten Informationen glauben mag. Durch den Regen, der die letzte Nacht gefallen war, ist nun die Luft herrlich frisch und lädt zum Bummeln durch die verwinkelten Gassen von Szentendre ein. Doch schnell kommt der Sommer zurück und brennt mit 35 Grad auf uns herab. Da helfen nur noch Eis, Wasser, Schatten und Sonnencreme. Trotzdem kann man den Ort genießen. Sich auf die vielen Eindrücke einlassen. Abseits der Hauptgasse, die vor allem mit einer Vielzahl an Ständen auftrumpft. Man findet dort alles, von veganer Seife bis hin zu handgemachten Ohrringen. Wir schlendern durch die Straßen, die an einigen Stellen erstaunliche Steigungen aufweisen und lassen den ungarischen Flair auf uns wirken. Begleitet werden all diese Bilder von einem Gitarren-Geigen-Duo, welches am Straßenrand sitzt und munter vor sich hin fiedelt.
Zum Mittag beweist sich die Behauptung bezüglich des Langos´ dann als wahr. Auch wenn das Essen ähnliche Temperaturen wie die Luft hat, so ist es dennoch ein Genuss jenseits des erwarteten Horizonts.
Frisch gestärkt bleibt uns nochmals Zeit, durch die traumhafte Kleinstadt am Rande der Donau zu flanieren, bevor es zurück zu den Bussen geht. Unser Ziel ist das Konservatorium, in welchem wir auch gestern Abend ankamen. Hier findet die erste Probe der Reise statt. Auf dem Programm stehen Dvoraks Cellokonzert und Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“. Die Leidenschaft, die im Dvorak zum Tragen kommt, ist es, die auch die Oberteile sämtlicher Musiker an die Oberkörper klebt. Die Wärme ist allgegenwärtig und trotzdem nicht hinderlich. Im Gegenteil! Im Gershwin entfacht sie ein Feuer der Rhythmen, welches sich durch das Orchester ausbreitet und für eine ausgelassene Stimmung am Ende der Probe sorgt.
Gemeinsam mit unseren Gastbrüdern und -schwestern geht es dann in die Budapester Innenstadt. Den Abend verbringen wir in großer Runde zusammen mit den Musikern des Orchesters, bei dem wir untergebracht sind.
Morgen steht unser erstes Konzert an. Es geht für uns nach Gödöllö, in ein Schloss. Gespielt wird das gleiche Programm wie im Gewandhaus. Beethoven und Dvorak werden uns in die Nacht begleiten und uns morgen hoffentlich ein unvergessliches Konzerterlebnis bescheren.

Geschrieben von: Jan Jarick