Die Zeit, sie wartet nicht

Samstag, 01.07.2017

Der Morgen startet wie die anderen auch, seit wir im Hostel am Balaton angekommen sind: mit Entspannung. Kurz vor Mittag fahren wir nach Keszthely, den kleinen verträumten Ort in dem unser letztes Konzert auf dieser Reise stattfinden soll. Doch bevor wir die Einwohner dieses 20.000 Seelen Städtchens mit unserer Musik erfreuen, besuchen wir den Park, des hier zu findenden Schlosses. Dann besichtigen wir das erste Mal unsere Bühne. Mitten auf einem Platz direkt am Balaton, steht sie da und der Himmel zeigt keinerlei Anzeichen für einen Wetterumschwung wie am Vortag.
Wir beginnen also voller Tatendrang damit, das Schlagwerk und die Pulte aufzubauen und die Stühle zu stellen und müssen wieder einmal feststellen, dass 80 Musikerinnen und Musiker doch eine ganze Menge an Platz wegnehmen. Die Generalprobe beschränkt sich auf einige wenige Stellen aus Gershwins „Amerikaner in Paris“, bei dem unsere Schlagwerkfraktion, aufgrund akuter Unterbesetzung, Unterstützung von unserem Trompeter Philipp Rauch bekommt. Dieser beweist, dass er nicht nur die Solotrompete im Arutjunian beherrscht, sondern auch die Pauke im Gershwin. Und das alles mit einer Hand voll Übungsstunden.
Aber er ist nicht der einzige, der sich als Aushilfsklopfer ausprobiert. Auch aus den Reihen der Fagotte und sogar unser Betreuer Bernd Bartolomäus beweisen eine Menge Gefühl für Rhythmen.
Die Sonne hat gerade ihren Höchststand erreicht, da verlassen wir die Bühne wieder und retten uns in den Schatten. Dann gibt es nochmal eine Stärkung, die bei allen sehr genüsslich angenommen wird und dann wird es ernst.
Die Bänke, die vor der Bühne platziert wurden, sind gefüllt und wir haben ebenfalls unsere Plätze eingenommen. Es folgen Brahms „Ungarischer Tanz“, der zweite Satz aus der Beethovensinfonie, Gershwins Stück, das wir lieben gelernt haben und sämtliche Filmmusik, die unsere Notenmappen hergeben.
Als der Soundtrack zu „Der Herr der Ringe“ erklingt, beginnen Wolken und die untergehende Sonne Bilder zu malen, die ein wenig so aussehen, wie die, die wir in Israel zu unserem letzten Konzert bestaunen konnten. Damals hatten sie Dvoraks 9. Sinfonie malerisch ergänzt, heute entführen sie mit den Filmmusiken in ferne Welten.
Klassisch endet das Konzert mit „Fluch der Karibik“. Das war´s. Das letzte Konzert für diese Saison ist gespielt und wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.
Bereits jetzt schwelgen wir in Erinnerungen an die vergangene Woche. Viel haben wir erlebt, gesehen, gefühlt. Wir sind dankbar, dass all das für uns möglich gemacht wurde.
Ohne Markus Brückner, der diese Reise organisiert hat, Sylvia Viezens, Joseph Shalla, Alexander Kress, Marie Smalla, Jürgen Schubert und Bernd Bartolomäus, die stets auf uns Acht gegeben haben und immer mit offenen Ohren und helfenden Worten uns zur Seite standen und natürlich Ron-Dirk Entleutner, der uns nicht nur topografisch, sondern auch musikalisch auf eine sagenhafte Reise mitgenommen hat, wäre all dies nie möglich gewesen.
Wir hoffen wir können all das eines Tages zurückgeben.

Geschrieben von: Jan Jarick