LEAD OP 2018: Konzert in der German Church

LEAD OP 2018: Konzert in der German Church

Kühl begann der vierte Tag unserer Reise. Der Regen der vergangenen Nacht lag noch in der Luft, doch die aufgehende Sonne zog schnell wieder die Feuchtigkeit aus allen Ritzen. Das Frühstück lockte wieder mit frisch gepresstem Saft, äthiopischem Kaffee und einer Postkartenmotivaussicht von der Terrasse unseres Hotels.

Das heute anstehende Konzert erfuhr in einer Generalprobe einen letzten Feinschliff. Vor allem bei den Studenten der Yared School war die Aufregung deutlich zu spüren. Bei uns stieg der Puls, als wir versuchten, mit Masinqo und Krar bewaffnet, das traditionell-äthiopische Volkslied „Yanyie Ababanesh“ zur Konzertreife zu bringen. Doch bei allen Stücken fanden wir zusammen, kamen auf einen gemeinsamen Weg und Philmon zu einer größeren Handbewegung. Dieser durfte nämlich, unter Anleitung von Ron-Dirk Entleutner, sein Arrangement von „Addis Ababa“ selbst dirigieren.

Auf dem Weg zur German Church bekamen wir eine Reihe stattlicher, lebender Hähne zum Kauf angeboten, welche wir jedoch dankend ablehnten, da für unser leibliches Wohl gesorgt war. Dass es plötzlich wieder Tiere zu kaufen gab, liegt am Ende der Fastenzeit und dem anstehenden Osterfest, das dieses Jahr in Äthiopien eine Woche später begangen wird als bei uns in Deutschland.

Fielen wir bis jetzt schon durch unsere Optik auf, so steigerte sich unsere Auffälligkeit ins schier Unermessliche, als wir in unserer Konzertkleidung und den typisch grünen JSO Tüchern und Schlipsen vorbei an Wellblechhütten zur Yared School liefen. Pünktlich 14 Uhr, zu Konzertbeginn, saßen wir auf unseren Plätzen, was man vom Publikum nicht behaupten konnte. Dieses brauchte noch eine halbe Stunde, füllte dann aber das sparsam romantisch beleuchtete Auditorium fast vollständig. Wir eröffneten unser kleines Programm mit der Promenade aus „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgksy und mussten feststellen, dass Äthiopien zwar die Wiege der Menschheit ist, jedoch nicht die der klassischen Musik. Deutlich mehr Anklang fanden die von uns musizierten äthiopischen Stücke. Zu unserer Erleichterung kam besonders „Yanyie Ababanesh“ sehr gut an, auch wenn der von uns gebildete Chor nur über mangelhafte Amharisch-Kenntnisse verfügte. Den Abschluss eines gelungenen Konzertes bildete Gershwins „I got Rhythm“, womit wir eine Brücke zum zweiten Konzertteil bauten. Dieser war geprägt von Jazz, welcher die Zuschauer mitriss.

Der restliche Nachmittag war frei und wurde von uns unterschiedlich genutzt. Über die Hälfte schloss sich, für einen Workshop, Philmon an, der gerade bezüglich Intonation und Zusammenspiel im Ensemble, mit Lehrern der Musikschule, arbeitete. Die Besonderheit an seinem neugegründeten Orchester ist, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, traditionelle äthiopische Musik auf europäischen Instrumenten zu spielen. Dazu arrangiert der junge Äthiopier sämtliche Stücke selbst.

Eine andere kleine Gruppe von uns machte einen ausgiebigen Spaziergang, vorbei an Ständen und Buden, an denen es alles zu kaufen gab, was die heimische Flora zu bieten hat. Durch ein paar kleine Gassen und über einige ausgetretene Wege, findet sich der kleine Reisetrupp plötzlich inmitten von Lehmhütten wieder. Überall grünt es und man bekommt eine winzige Vorstellung davon, wie sich Dschungel anfühlt. Die Freundlichkeit, die einem entgegengebracht wird, legt einen Zauber auf uns, den man wohl gerne wieder erleben möchte.

Am Abend „entführen“ uns unsere äthiopischen Freunde auf einen Spaziergang durch das dunkle Addis. Wir landen in einem Freisitz und verbringen den Rest des Abends damit uns auszutauschen. Musik ist das Gesprächsthema schlechthin, aber auch die Kultur und die Geschichte Äthiopiens interessieren uns. Jeder hat in diesen Stunden die Möglichkeit, mit seinem Wissen einen Beitrag zu leisten, der für alle Mehrwert hat. Als wir wieder vor dem Ebenezer Guesthouse ankommen und uns alle „Gute Nacht“ sagen, können wir den nächsten Tag kaum erwarten.

Text: Jonathan Zahn

Foto 05.04.18, 11 23 41 Foto 05.04.18, 11 31 32 Foto 05.04.18, 11 35 11 Foto 05.04.18, 15 11 39

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Das Projekt:
Der regelmäßige Austausch zwischen der Musikschule Leipzig „Johann Sebastian Bach“ und dem Young Orchestra der Yared Music School​ ist Teil der Städtepartnerschaft Leipzig – Addis Abeba e.V.​, die sich der Förderung des Miteinanders zwischen beiden Städten verschrieben hat. Unterstützt wird die aktuelle Reise von der LEIPZIGSTIFTUNG. Herzlichen Dank!

Leipzig-Stiftung_Logo_klein_02