Or isch will nach Bled

Or isch will nach Bled

Montag, 2. Juli 2018

Etwas ist anders an diesem Montagmorgen. Bereits nach dem Frühstück stehen wir mit unseren Koffern, Taschen und Instrumenten an den Bussen – mehr oder weniger bereit, Ossiach wieder zu verlassen. Die Harmonie des Sees und der Musikakademie, mit der uns umgebenden Natur, hält fest in ihrem Bann, als sich das JSO in Bewegung setzt.

Sicher manövrieren uns unsere Busfahrer Tobias und Lutz durch das österreichische Bergland in Richtung Slowenien. Unser Ziel ist Bled, eine kleine Stadt, in der wir bereits 2013 ein Konzert gespielt haben. Diesmal jedoch steht die Freizeit im Vordergrund. Wir haben drei Stunden Zeit, die wir ausgiebig am hiesigen See verbringen, der es tatsächlich zustande bringt, den aus Ossiach zu übertreffen. Das Wasser lädt mit seinem strahlenden Türkis zum Baden und Spazieren ein und genau das tun wir nach unserem hervorragenden Mittagessen.

Verträumt liegt eine Kirche in der Mitte des Sees und schaut ehrfürchtig auf eine Burg, die auf der Spitze eines Berges jedem Wanderer ihre Geschichte erzählt. Überall tummeln sich Fische im erfrischenden Nass. Wolken, die alle erdenklichen Formen annehmen, schieben sich zwischen den Felsformationen hindurch, die Bled umarmen wie eine Mutter ihr Kind. Fast ebenso zahlreich wie die Wolkenbilder scheinen die Eissorten in dieser wunderschönen Kleinstadt: Himbeere, griechischer Joghurt, Heidelbeere und Haselnuss sind nur vier Sorten aus einer breiten Palette an Geschmacksrichtungen. Mit diesen wundervollen Eindrücken im Magen und im Kopf fahren wir weiter zu unseren nächsten Station: Ljubljana.

Dort beziehen wir das Austria Trend Hotel und stellen fest, dass wir die Musiker der Münchener Philharmoniker nur um einen Tag verpasst haben. Mit einer gehörigen Portion Stolz gehen wir so in die Probe. Mit Sibelius’ Karelia-Suite und Schuberts „Unvollendeter Sinfonie“ starten wir in den Abend eines Tages, der voller Eindrücke war, die uns wahrscheinlich noch lange begleiten werden.

Zwischen wunderschönen Landschaften und sinfonischen Klängen lassen wir uns treiben. Noch einmal tauchen wir ein in die Erlebnisse der letzen Tage. Drei Länder innerhalb weniger Tage erlebt man so gut wie nie und selten wird man mit so einer Offenherzigkeit willkommen geheißen, wie wir es bisher erfahren haben. Dankbarkeit ist alles was empfunden werden sollte. Denn Möglichkeiten werden geboten. Wir haben sie ergriffen und wir werden sie nutzen.

Text: Jan Jarik
Fotos: Friedrich Mann / Daniel Otto