Mit Donner und Paukenschlag

Mit Donner und Paukenschlag

Dienstag, 3. Juli 2018

Gut erholt erwachen wir an unserem ersten Morgen in Ljubljana. Die komfortablen Betten unseres Hotels haben uns die Kraft gespendet, die wir für den heutigen Tag brauchen werden. Das üppige Frühstück komplettiert den guten Start in den Tag. Mit den Bussen fahren wir ins Zentrum der slowenischen Hauptstadt.

Dort erhalten wir eine Stadtführung. Wir erfahren, dass Ljubljana sehr viele Brücken hat und über ebenso viele Fakultäten verfügt. Anschließend erkunden wir selbstständig noch etwas die Stadt, bevor wir uns nach einem selbst gestalteten Mittagessen zur Generalprobe in der St. Jakob-Kirche zusammenfinden. Das Gotteshaus beherbergt eine orthodoxe katholische Gemeinde und muss sich mit seinem Innenraum wahrlich nicht verstecken. Während wir unsere Orchesterbestuhlung vor dem Hauptaltar aufbauen, zieht auch eine Reihe von Nebenaltären in den Seitenschiffen unsere Blicke auf sich. Viele Gemälde und Statuen preisen den Herrn. Bei einem Blick an die Decke funkeln uns Kronleuchter entgegen, die ihr Licht in jede Ecke der Kirche strahlen.

Extra für heute haben sich ein Cello-Quartett und ein Blechensemble zusammengefunden und werden das Konzert eröffnen. Dann stehen noch der 2. Satz aus Beethovens 7. Sinfonie, die „Unvollendete Sinfonie“ von Schubert und Sibelius’ Karelia-Suite auf dem Programm. Aber zunächst fahren wir zurück ins Hotel zum Abendessen. Mit gefüllten Bäuchen werfen wir uns in „Konzertschale“ und fahren zurück in die St. Jakob-Kirche.

Fünf Minuten vor Konzertbeginn werden wir langsam unruhig. Denn die Kirchenbänke bleiben leer. Erleichterung tritt ein, als wir feststellen, dass dies nur an den verschlossenen Kirchentüren lag. Unter den Besuchern des heutigen Konzerts sind auch bekannte Gesichter. Die Wirtin, die uns auf dem Monte Lussari mit Mittagessen versorgt hatte, tritt mit einem breitem Lächeln vor uns und freut sich auf das Konzert. Auch wir sind in freudiger Erwartung, als das Ensemble der Blechbläser das Konzert eröffnet. Darauf folgt das Quartett der Celli und dann Beethoven.

Selten lagen Schwere und Leichtigkeit so nah beieinander wie bei diesem 2. Satz. Der poetisch gestaltete Beginn der Streicher wird von einem harmonischen Bläserklang im Mittelteil abgelöst. Mit dem Schlussakkord nimmt die Stimmung atemberaubende Züge an. Es folgt Schuberts „Unvollendete Sinfonie“, die alles andere als unvollendet musiziert wird. In den zwei Sätzen greift eins ins andere und formt somit ein Gesamtbild, bei dem man bedauert, dass Schubert nicht eine „Vollendete“ daraus gemacht hat. Nach begeistertem Applaus setzen wir an zur Karelia-Suite. Diese gelingt in allen drei Sätzen und wird, wie vorher schon bei Beethoven und Schubert, von einem Gewitter begleitet, das außerhalb der Kirche tobt. Der Regen unterstreicht die friedliche Atmosphäre, der Donner und das helle Licht der Blitze zwingen dem Konzert eine wohltuende Dramatik auf.

Honoriert wird die Konzentration und die Emotionalität der JSO-ler mit fasziniertem Beifall. Im Glücksrausch besteigen wir wieder die Busse und fahren zurück ins Hotel. Es war ein erlebnisreicher Tag mit großartiger Musik und wunderschöner Musikalität. Bewegt fallen wir ins Bett. Beeindruckt vom Wechselspiel von Donner und Paukenschlag erwarten wir die nächsten Tage.

Text: Jan Jarick
Fotos: Daniel Otto