Last but not least

Last but not least

Freitag, 6. Juli 2018

Der Morgen unseres letzten Tages beginnt später, denn wie jedes Jahr gibt es auf der Sommerreise einen Tag, an dem ausgeschlafen werden darf. Dies trifft sich gut, denn so haben wir noch einmal die Möglichkeit, Kraft für das heutige Konzert zu sammeln. Einige von uns nutzen die Chance und schlafen bis zum Mittagessen, andere schwimmen, spazieren oder verbringen die Zeit im gut klimatisierten Hotel.

Nach dem Mittagessen machen wir uns fertig und fahren nach Koper – eine Hafenstadt und Verkehrsknotenpunkt für die slowenische Schifffahrt. Eine ehemalige Kirche des hier ansässigen Franziskanerordens dient uns als Konzertort. Vor zwei Jahren restauriert und mit moderner Technik ausgestattet, vermittelt die große Halle eher das Gefühl, man befände sich in einem Konzertsaal und nicht in einem einstigen Gotteshaus.

Während wir versuchen, alle Musiker auf der recht knapp bemessenen Bühne unterzubringen, tauchen auch unsere Begleiter für diesen Tag auf. Ein Fernsehteam aus Koper zeichnet unsere Probe und unser Konzert auf. Hintergrund der Fernsehproduktion ist, dass die Kathedrale in dieser kleinen Stadt eine neue Orgel bekommt und zwar jene aus der Tonhalle in Zürich. Anlässlich dieses Ereignisses wird nicht nur eine neue Empore gebaut, sondern auch eine Reihe von Konzerten veranstaltet. Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn einem klar wird, für welchen Anlass wir spielen werden.

Doch bevor wir auf die Bühne dürfen, eröffnet die Brass-Band der nahegelegenen Musikschule den Abend. Dabei ertönen bekannte Melodien wie die Filmmusik zu „James Bond“ und „Fluch der Karibik“. Nach langem Applaus des leider recht spärlich besetzten Publikums sind wir an der Reihe und tuen das, was wir am besten können: gemeinsam Musik machen. Unser Programm aus Ljubljana wir ergänzt um Marquez’ „Danzon Nr. 2“. Nur wenige Töne sitzen nicht so, wie sich ihre Spieler dies gewünscht hätten. Der Rest ist abermals ein Fest von Freude und Musik.

Viele Nuancen scheinen an diesem Abend noch intensiver. Der Anfang von Schuberts „Unvollendeter Sinfonie“ wird so filigran gespielt, dass er fast nicht mehr zu hören ist. Umso imposanter wirken dann die dagegen gesetzten Forte und Fortissimo. Als mit der „Karelia-Suite“ die Halbzeit für unseren Konzertteil eingeläutet wird, nimmt die Stimmung eine Färbung an, die für das Publikum wohl nicht recht begreiflich ist. Im 2. Satz der Suite beginnen die ersten Tränen zu rollen, denn es ist nicht nur das letzte Konzert auf dieser Reise, sondern auch für zehn von uns das letzte Konzert mit dem JSO.

Aus verschiedensten Gründen verlassen sie das Orchester, das sie Jahre lang geprägt hat. Das aber auch sie Jahre lang geprägt haben. Sie waren fester Bestandteil, haben im Orchesterrat mitgewirkt, Weihnachtsfeiern geplant, Orchesterabende organisiert und viele neue JSO-ler integriert. Viele Freundschaften hängen an diesen Menschen und so nimmt die Anzahl der Tränen mit jeder weiteren Konzertminute zu.

Unsere musikalische Leistung wird mit tosendem Applaus belohnt und um den Abend rund zu machen, spielen wir die JSO-Zugabe schlecht hin: „Fluch der Karibik“. Spätestens bei diesem Stück bleibt kein Auge mehr trocken. Nach dem letzten Akkord liegen wir uns lange in den Armen und gedenken der gemeinsamen Zeit. Den Abend verbringen wir zusammen, schwelgen in Erinnerungen und erzählen Anekdoten. Der nächste Morgen wird die Heimreise bringen.

Begonnen hatte diese Reise mit einer Spenden-Gala und nun haben wir eine wundervolle Zeit im Dreiländereck verleben dürfen. Es wird mal wieder klar, dass dieses Orchester etwas ganz Besonderes, wenn nicht sogar Einmaliges ist. Dankbarkeit ist das Gefühl, mit dem wir in die Betten fallen. Noch bevor wir einschlafen, wächst die Vorfreude auf das nahende Probenlager, in dem wir wieder gemeinsam dem schönsten Hobby der Welt nachgehen können.

Text: Jan Jarik
Fotos: Daniel Otto